Das lässt sich nicht so einfach beantworten. Nicht ausschließlich Religion, auch Geschichte, Werte und Kultur können jüdische Identitäten prägen. Wer eine jüdische Mutter hat oder zum Judentum übergetreten ist, gilt nach religiösem Gesetz als jüdisch. Doch für viele ist jüdische Identität auch eine persönliche Zugehörigkeit.
Die Geschichte jüdischen Lebens auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands reicht mehr als 1700 Jahre zurück.
In Deutschland leben schätzungsweise 200.000 Jüdinnen:Juden. Ungefähr die Hälfte von ihnen lebt säkular und ist nicht Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Deutschland. Rund 95.000 Jüdinnen:Juden sind in orthodoxen, konservativen und liberalen Gemeinden organisiert.
Der Schabbat ist der wöchentliche Ruhetag im Judentum und ein wichtiger Feiertag. Er beginnt am Freitagabend mit Sonnenuntergang und dauert bis zum Einbruch der Dunkelheit am Samstagabend. Es ist ein Tag der Ruhe und Besinnung, des Gebets und der Gemeinschaft, an dem traditionell nicht gearbeitet wird.
Im Judentum gibt es bestimmte Regeln, was man essen darf und was nicht. Diese Regeln nennt man Speisegesetze. Sie teilen Essen und Getränke in drei Gruppen ein: koscher (erlaubt), nicht koscher (verboten) und parwe (neutral).
Ein wichtiger Teil dieser Regeln ist, dass man Milchprodukte und Fleisch nicht zusammen essen darf. Auch beim Zubereiten müssen sie getrennt bleiben – dafür gibt es zum Beispiel eigenes Besteck und spezielle Töpfe.
Viele Jüdinnen:Juden halten die Essensvorschriften nicht ganz streng ein.
Die Synagoge ist das Gotteshaus im Judentum. Dort treffen sich jüdische Menschen zum Beten, zum Lernen, zum Feiern und zum Diskutieren.
Gemeinsam mit dem Christentum und dem Islam ist das Judentum eine der drei Weltreligionen, die nur an einen Gott glauben.
Nicht alle, die sich als jüdisch, christlich oder muslimisch verstehen, sind gläubig und halten sich an alle religiösen Gesetze.
Die jüdischen Brüder Moritz und Julius Wallach machten Anfang des 20. Jahrhunderts das Dirndl für den städtischen Adel und das Bürgertum salonfähig. Ihre Stoffe wurden von ihrem Bruder Max Wallach in einer Fabrik in Dachau gefertigt und sind weltberühmt. 1938 wurde das Unternehmen unter den Nationalsozialisten enteignet. Julius und Moritz Wallach gelang die Flucht in die USA. Max und seine Ehefrau wurden im Lagerkomplex Auschwitz ermordet.
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1898 wurde in Berlin der erste jüdische Sportverein gegründet. Wegen gesellschaftlicher Diskriminierung entstanden bis zur NS-Zeit viele jüdische Vereine, da Jüdinnen und Juden oft nicht in bestehende Sportclubs aufgenommen wurden. Deshalb wurden bis zur Zeit des Nationalsozialismus etliche jüdische Sportvereine gegründet. In den 1920er Jahren setzte sich der vereinende Begriff Makkabi als Name für jüdische Vereine durch.
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Unter dem NS-Regime wurden bis 1939 alle jüdischen Sportvereine aufgelöst, viele Sportler:innen verfolgt und ermordet. 1965 wurde der erste Makkabi Verein wieder gegründet.
Heute ist Makkabi Deutschland der Dachverband mit rund 7.000 Mitgliedern in fast 40 Vereinen. Makkabi steht heute für Sport, Gemeinschaft und jüdisches Leben – offen für alle.
„Shoah“ ist hebräisch und bedeutet „große Katastrophe“. Sie beschreibt die systematische Verfolgung und Ermordung von ca. 6 Millionen Jüdinnen:Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Viele jüdische Menschen verwenden Shoah anstelle des Begriffs Holocaust, da dieser aus dem Griechischen stammt und ursprünglich „Brandopfer“ bedeutet – was als unangemessen empfunden wird.
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Antisemitismus ist eine bestimmte Wahrnehmung von Jüdinnen und Juden, die sich als Hass gegenüber Jüdinnen und Juden ausdrücken kann. Der Antisemitismus richtet sich in Wort oder Tat gegen jüdische oder nichtjüdische Einzelpersonen und/oder deren Eigentum sowie gegen jüdische Gemeindeinstitutionen oder religiöse Einrichtungen.
Quelle: Arbeitsdefinition von Antisemitismus - IHRA
Für das Jahr 2024 wurden 8627 antisemitische Vorfälle erfasst. Etwa 40% der für das Jahr 2024 von RIAS erfassten antisemitischen Vorfälle finden auf der Straße, also in der Öffentlichkeit statt, über 20% erfolgten im digitalen Raum (online). Antisemitische Angriffe betreffen Einzelpersonen, wie auch Institutionen. Zu den Angriffen zählen u.a. extreme körperliche Gewalt, Sachbeschädigung und verletzendes Verhalten.
Quelle: https://report-antisemitism.de/documents/04-06-25_RIAS_Bund_Jahresbericht_2024.pdf
Aussagen von Jugendlichen im MMSZ
Das Scrollytelling ist entstanden im Projekt „Scrollen gegen Hass. Antisemitismus erkennen und handeln“, finanziert vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.
Stadtarchiv München, Signatur: PL14192 (Fa. Wallach)
MAKKABI Jüdischer Turn- und Sportverband in Deutschland e.V.
Bild Mahnmal Berlin: istockphoto.com/eleriva
International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) Arbeitsdefinition von Antisemitismus