Videoausschnitt: Bayerischer Rundfunk, alpha-Forum
Max in der Handelsschule
Bildquelle: Ernst Mannheimer
Max bemerkt während seiner Zeit in der Handelsschule, die er von 1934 bis 1936 besucht, Anzeichen, dass einige seiner Mitschüler:innen nationalsozialistische Propaganda verbreiten. Eine Mitschülerin hatte in ihrem Schulbuch ein Foto von Adolf Hitler, das sie sich oft anschaut. Für Max ist das beunruhigend, da Jüdinnen:Juden zu diesem Zeitpunkt in Deutschland schon ausgegrenzt werden.
Bildquelle: Ernst Mannheimer
Max‘ Familie wird enteignet und vertrieben. Sie müssen in den nicht von Deutschen besetzten Teil der Tschechoslowakei ziehen. Sie entscheiden sich, in den Geburtsort von Max‘ Mutter, Ungarisch Brod, zu gehen.
Das Novemberpogrom markiert eine Radikalisierung in der Ausgrenzung und Verfolgung jüdischer Menschen. Es folgen zunehmende Verschärfungen für den Lebensalltag. Jüdische Menschen dürfen beispielsweise nicht mehr ins Kino gehen, bekommen weniger zu essen zugeteilt und müssen einen gelben Stern auf ihrer Kleidung tragen.
Im Verlauf des Jahres 1942 verschlimmerten sich die Lebensbedingungen für Jüdinnen:Juden, immer mehr Menschen werden deportiert.
Trotz der zunehmenden Verfolgung jüdischer Menschen, verliebt sich Max in Eva. Sie beschließen zu heiraten, weil es Gerüchte gab, die besagten, dass Ehepaare bei den drohenden Deportationen zusammenbleiben dürfen.
Bildquelle: Ernst Mannheimer
Hochzeitsfoto von Eva und Max Mannheimer mit Familie und Freunden.
Bildquelle: Ernst Mannheimer
Ende Januar 1943, drei Monate nach der Hochzeit, werden Max, seine Ehefrau und seine Familie über das Ghetto Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert.
Dort werden seine Ehefrau, seine Eltern und seine Schwester bald nach der Ankunft ermordet. Sein Bruder Ernst erkrankt nach wenigen Wochen im Lager und wird auch ermordet. Max‘ Bruder Erich, der schon im Jahr 1942 von der Gestapo verhaftet worden war, wurde ebenfalls in Auschwitz ermordet.
Max erlebt einen Lageralltag, der von ständiger Gewalt, quälendem Hunger und der allgegenwärtigen Gefahr schwerer Krankheiten geprägt ist. Max erkrankt mehrfach und überlebt obwohl es kaum medizinische Versorgung gibt, mit viel Glück. In wechselnden Arbeitskommandos wird er zu harter Arbeit gezwungen, die oft zur völligen Erschöpfung führt und bewusst als Mittel der Unterdrückung eingesetzt wird.
Max und sein Bruder Edgar werden nach acht Monaten Haft im Lagerkomplex Auschwitz in das KZ Warschau und von dort in das KZ Dachau und dessen Außenlager OT-Karlsfeld und Mühldorf-Mettenheim deportiert. Max ist auch in den anderen Konzentrationslagern ständiger Gewalt, Hunger und Krankheiten ausgesetzt. Die Inhaftierten werden mit schwerer körperlicher Arbeit gequält.
Max wird kurz vor der Befreiung auf einen Todesmarsch geschickt. Seine Befreiung erlebt er am 30. April 1945 in der Nähe von Tutzing in Oberbayern.
Videoausschnitt: Haus der Bayerischen Geschichte, Zeitzeugen-Projekt, 1989
Nachdem sich Max mehrere Wochen erholt hat, beschließt er gemeinsam mit seinem Bruder Edgar in seinen Heimatort Neutitschein zurückzukehren. Deutschen Boden will er nie wieder betreten.
Bildquelle: Ernst Mannheimer
Das Ankommen in seinem Heimatort fällt Max nicht einfach. Der Verlust der Familienangehörigen wiegt für ihn und seinen Bruder Edgar schwer.
Im Sommer 1945 lernt Max die sudetendeutsche Elfriede Eiselt in Neutitschein kennen. Sie verlieben sich und bald darauf ist Elfriede schwanger. Im September 1946 wird die gemeinsame Tochter Eva geboren. Kurz nach der Geburt stehen sie vor der Entscheidung die Tschechoslowakei zu verlassen. Max entscheidet sich mit seiner Familie nach Deutschland zu gehen.
Die Familie lebt in München, wo Max für jüdische Organisationen arbeitet. Viele der Arbeitsstellen werden ihm durch andere Überlebende der Shoah vermittelt. Seine Frau Elfriede ist für die Sozialdemokrat:innen im Münchner Stadtrat. In der SPD findet auch Max eine politische Heimat.
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Max führt mit seiner Frau und seiner Tochter ein glückliches Familienleben. 1964 stirbt Elfriede nach kurzer und schwerer Krankheit. Für Max beginnt eine Zeit tiefer Trauer, er kann sich kaum um seine Tochter Eva kümmern.
Bildquelle: Eva Faessler
Bei Freunden lernt Max Grace Franzen kennen, sie werden ein Paar und heiraten. 1966 bekommen die Beiden ihren Sohn Ernst. Regelmäßig besuchen sie die Familie von Grace in den USA. Max genießt das Familienleben. Dennoch kämpft er immer wieder mit dem Trauma der Verfolgung und dem Verlust eines großen Teils seiner Familie.
Bildquelle: Ernst Mannheimer
Max‘ Kinder Eva und Ernst Jakob sind nach Familienmitgliedern benannt, die in Auschwitz ermordet wurden. Mit seinen Kindern spricht Max nicht über das, was er erlebt hat, um sie zu schützen. Im „Späten Tagebuch“ hatte er bereits nach Elfriedes Tod seine Erinnerung festgehalten. Die einzigen, mit denen er sich über das Vergangene austauscht, sind andere Shoah-Überlebende.
Im Malen findet Max einen Weg sich mit den eigenen Traumata auseinanderzusetzen. In Erinnerung an seinen ermordeten Vater signiert er seine Gemälde mit „ben jakov“ – Sohn des Jakob. In seinen abstrakten Bildern setzt Max sich mit seinen Erinnerungen an die Verfolgung auseinander.
Bildquelle: Stefan Scheider
Mitte der 1980er Jahre wird Max das erste Mal als Zeitzeuge eingeladen von seinen Erfahrungen zu erzählen. Von diesem Zeitpunkt an ist es ihm ein Anliegen, insbesondere mit jungen Menschen Gespräche zu führen, auch wenn ihm dies zu Beginn nicht leicht fällt.
Quelle: Die Zeit, 2011
Videoausschnitt: Bayerischer Rundfunk, alpha-Forum
Die Erfahrung der Shoah prägt Max sein Leben lang und ist Ausgangspunkt seines großen Engagements gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus. Deshalb war es ihm bis zu seinem Tod am 23. September 2016 ein großes Anliegen, Zeitzeugengespräche mit jungen Menschen zu führen.
Bildquelle: Sr. Elija Boßler
Das Scrollytelling ist entstanden im Projekt „Scrollen gegen Hass. Antisemitismus erkennen und handeln“, finanziert vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.
Bayerischer Rundfunk, alpha-Forum, Februar 2010, Max Mannheimer, Zeitzeuge im Gespräch mit Dr. Sybille Krafft: https://www.ardmediathek.de/video/alpha-forum/zeitzeuge-max-mannheimer/ard-alpha/Y3JpZDovL2JyLmRlL3ZpZGVvLzI1MTE3NmU5LWI2M2UtNDkyOS1hMGVjLTZhNWJmMjVkMTI4Mw
Knapp, Gottfried (Hg.): Max Mannheimer: The Marriage of Colours, Hirmer, 2016
Haus der Bayerischen Geschichte, Zeitzeugen-Projekt: Zeitzeugen :: Haus der Bayerischen Geschichte
Die Zeit, Max Mannheimer im Gespräch, Mai 2011: Video-Interview: Max Mannheimer im Gespräch (2/3) | DIE ZEIT
Wir danken allen Beteiligten herzlich für die Bereitstellung des Bildmaterials:
Eva Faessler Ernst Mannheimer Sr. Elija Boßler Stefan Hanke mit dem Projekt „KZ überlebt” 2006 Stefan Scheider