Quelle: MMSZ, 2025
Eva kommt am 19. Dezember 1942 als Eva Hecht in einem Zwangsarbeiterlager in Nováky in der Slowakei auf die Welt.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs wird die Slowakei ein eigenständiger Staat, steht aber eng an der Seite von NS-Deutschland. Die Slowakei nimmt eine aktive Rolle bei der Deportation von jüdischen Menschen in die Vernichtungslager ein. Seit 1941 gibt es in der Slowakei Arbeitslager für Jüdinnen:Juden. Eines davon ist Novàky, unter der Bewachung der slowakischen Hlinka Garde.
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Eva lebt dort mit ihren Eltern in einem Zimmer einer Holzbaracke. Die Eltern müssen arbeiten: ihre Mutter in der Nähwerkstatt, der Vater in der Buchhaltung. Die Mutter arbeitet nach der Geburt nicht mehr.
Eva im Alter von einem Jahr vor dem Zaun im Lager Nováky.
Bildquelle: Eva Umlauf
Quelle: MMSZ, 2025
Kurz vor Evas zweitem Geburtstag wird die Familie deportiert. Am 3. November 1944 kommt der Transport mit Eva und ihren Eltern im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau an. Drei Tage zuvor hatte die SS das Morden in den Gaskammern eingestellt.
Zu diesem Zeitpunkt ist ihre Mutter Agnes Hecht im vierten Monat schwanger. Bei der Ankunft werden Eva und ihre Mutter von Vater Imrich Hecht getrennt.
Quelle: MMSZ, 2025
Am 27. Januar 1945 befreit die Rote Armee den Lagerkomplex Auschwitz. Weil Eva schwer krank ist, bleiben sie und ihre Mutter noch ein halbes Jahr länger im befreiten Lager. Im April 1945 wird Evas Schwester Nora geboren.
Im Juli kehrt Agnes Hecht mit ihren beiden Töchtern in die Tschechoslowakei zurück – ohne ihren Ehemann. Erst 70 Jahre später erfährt Eva, dass ihr Vater im Konzentrationslager Melk ermordet wurde.
Eva, mit Schwester Nora und Mutter Agnes, Januar 1946.
Bildquelle: Eva Umlauf
Klassenfoto mit Eva 1953/54
Bildquelle: Eva Umlauf
Eva geht in Trenčín in die Schule. Sie ist eine sehr gute Schülerin, obwohl sie oft wegen Krankheit fehlt. 1960 macht sie Abitur und beginnt in Bratislava Medizin zu studieren. Dass sie jüdisch ist, spielt im Alltag der Familie keine wichtige Rolle – zu groß ist die Angst vor antisemitischen Anfeindungen in der kommunistischen Tschechoslowakei.
Fuhren die Klassenkameraden aus Trenčín in den Sommerferien zu ihren ‚babkas‘ und ‚dedkas‘, den Großeltern, in die Sommerfrische auf dem Land – wir jüdischen Kinder blieben unter uns im Hof hinter dem Haus. Wir hatten keine Verwandten, erst recht aber keine Großmütter, zu denen wir zur Abwechslung fahren konnten.
Zitat aus: „Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen“
Im Frühjahr 1966 lernt Eva Jakob Sultanik kennen, einen polnischen Shoah-Überlebenden. Die beiden verlieben sich.
Eva und Jakob heiraten im selben Jahr. Ihr Ehemann ist Jude und hat die nationalsozialistische Verfolgung überlebt. Ihrer Mutter und deren zweiten Ehemann gefällt, dass Jakob jüdische Traditionen wichtig sind. Ein Jahr später folgt Eva ihrem Ehemann nach München.
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Nach einem schweren häuslichen Unfall stirbt ihr Ehemann 1971. Für Eva zerbricht eine Welt. Sie ist nun als junge Mutter auf sich gestellt.
Nach erheblichen Anstrengungen erhält sie eine Stelle als Ärztin in einem großen Münchner Klinikum. Später berichten ihr Kolleginnen, dass der zuständige Professor ihrer Anstellung nur widerwillig zustimmte.
In ihrer dritten Schwangerschaft hat Eva schwere Albträume von Auschwitz.
In dieser Schwangerschaft zeigte sich mir, in welchem Maße ich doch vom Holocaust geprägt worden war. Die überängstliche, protektive Erziehung, die ich von Seiten meiner Mutter bekam, zeigte sich erst jetzt in dieser Schwangerschaft ganz deutlich. Ich bekam nun selbst enorme Ängste, litt unter schrecklichen Träumen...
Zitat aus: „Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen“
Eva mit ihren drei Söhnen, 1995
Bildquelle: Eva Umlauf
Quelle: MMSZ, 2025
Eva arbeitet seit 1996 als Psychotherapeutin. Hier begegnen ihr auch viele Geschichten von Menschen, deren Familien traumatische Erfahrungen in der Shoah gemacht haben.
Erst Ende der 1990er Jahre setzt sich Eva verstärkt mit ihrem Jüdischsein auseinander. 2011 wird sie eingeladen, die Rede zur Gedenkfeier der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau zu halten.
Nach einem Herzinfarkt drei Jahre danach beschließt Eva ihre Geschichte aufzuschreiben und beginnt intensive Recherchen zu ihrer Familiengeschichte. Schließlich veröffentlicht sie mit Stefanie Oswalt das Buch „Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen“.
Bildquelle: Eva Umlauf
Seither spricht sie regelmäßig auch öffentlich über ihre Erfahrungen und setzt sich gegen Antisemitismus ein.
2023 erhielt Eva für ihr unermüdliches Engagement das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Seit Sommer 2025 ist sie Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees.
Bildquelle: Eva Umlauf
Das Scrollytelling ist entstanden im Projekt „Scrollen gegen Hass. Antisemitismus erkennen und handeln“, finanziert vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales.
United States Holocaust Memorial Museum (USHMM): https://encyclopedia.ushmm.org/content/fr/photo/novaky-camp
Umlauf, Eva/Oswalt, Stefanie: Die Nummer auf deinem Unterarm ist so blau wie deine Augen, Hoffmann und Campe, 2021
Wir danken Dr. Eva Umlauf herzlich für die Zusammenarbeit und das entgegengebrachte Vertrauen.